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gender mainstreaming
gender mainstreaming

Städtebauförderung

Gender Mainstreaming am Beispiel des Bund-Länder-Programms "Soziale Stadt"

Der Aspekt der Gleichstellung aller Menschen (in allen Lebensbereichen) ist ein übergreifendes Handlungsfeld der Stadterneuerung und als Querschnittsaufgabe in den Städtebauförderungsrichtlinien fest verankert. Die Gleichstellung betrifft dabei geschlechtsspezifische Fragen von Frauen und Männern in allen Altersstufen, aber auch spezielle Anforderungen von Kindern, Senioren und Menschen mit Behinderung. Besonders deutlich wird dies im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms "Soziale Stadt".

Gemeinschaftsinitiative "Soziale Stadt"
Die Gemeinschaftsinitiative "Stadt- und Ortsteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die Soziale Stadt" wurde von Bund, Ländern und Kommune 1999 als nationales Aktionsprogramm zur sozialen Stabilisierung von Problemgebieten in Städten und Gemeinden ins Leben gerufen. Die "Soziale Stadt" reagiert auf die komplexen gesellschaftlichen Aufgaben in diesen benachteiligten Gebieten mit integrierten Handlungsansätzen und umfassenden Strategien. So stehen die Handlungsfelder Ökonomie und Ökologie, Soziales, Kultur und Bildung gleichberechtigt neben baulichen und städtebaulichen Aufgaben.

Gender Mainstreaming in den Programmgebieten der "Sozialen Stadt"
Wegen der gesellschaftlichen Bedeutung der Maßnahmen im Programm „Soziale Stadt“ spielen geschlechterspezifische Betrachtungen und die Berücksichtigung von Bedürfnissen aus den jeweiligen Lebensphasen und Rollen der Bewohner eine wichtige Rolle. In Soziale-Stadt-Gebieten besteht meist eine hohe Konzentration sozial schwächerer oder fremdsprachiger Personengruppen - mit erkennbaren rollen- und herkunftsspezifischen Benachteiligungen. Viele Maßnahmen zielen daher darauf ab, die Selbstbefähigung (Empowerment) der Bewohnerinnen und Bewohner zu fördern und deren Selbstorganisation und Eigeninitiative zu stärken.

Im baulichen Bereich sind die Gebiete meist durch Gestaltungsdefizite und Sicherheitsmängel im öffentlichen städtischen Raum gekennzeichnet. Planungsziel ist die Beseitigung von Angstzonen und die ansprechende Gestaltung der Räume als Ort der Begegnung, die allen Bewohnern und Bewohnerinnen einen gleichberechtigten Aufenthalt ermöglichen und deren unterschiedliches Nutzerverhalten und Ansprüche berücksichtigen.

Geschlechterbezogene Sichtweisen fließen daher bei der Planung und Durchführung von Projekten und in die Maßnahmen zur Aktivierung und Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger ein. Gender Mainstreaming verschafft den Projekten eine gute Basis für eine erfolgreiche, funktionale und zugleich zukunftsfähige Realisierung. Dies gilt auch für alle anderen Maßnahmen in Städtebauförderungsprogrammen.

Die nachfolgenden Maßnahmenbeispiele aus Programmgebieten der Sozialen Stadt zeigen wie die übergreifende Querschnittsaufgabe Gender Mainstreaming in die verschiedenen Handlungsfelder einfließt:


Stadt Augsburg - Programmgebiet Augsburg-Oberhausen:

Das Wohnquartier ist von zahlreichen sozialen und städtebaulichen Problemlagen gekennzeichnet. Die Situation war zu Anfang der Maßnahmen insbesondere von unwirtlichen Straßenräumen, fehlenden Spiel- und Freiflächen, sanierungsbedürftigen Wohnungen und einseitigen, problematischen Sozialstrukturen geprägt. Ziel ist, diese Defizite, die sich auf das Miteinander im Quartier und auf das Image - und damit auf die Chancen der Bewohnerinnen und Bewohner - negativ auswirken, auszugleichen.

Neugestaltung Quartiersplatz
Neugestaltung Quartiersplatz
Handlungsfeld: Verbesserung des Wohnumfeldes – Maßnahme: Neugestaltung des Quartiersplatzes
Mit dem Umbau des Quartiersplatzes ist ein Zentrum des Gebietes und für die BewohnerInnen ein Mittelpunkt kultureller und gemeinschaftlicher Aktivitäten entstanden. Die Integration der geschlechterspezifischen Sichtweise hat bei der Bürgermitwirkung eine wichtige Rolle gespielt. Insbesondere türkische Frauen und junge Mütter wurden gezielt an der Planung und an den Entscheidungen zur Gestaltung des Quartiersplatzes einbezogen. Dadurch ist ein auf ihre Bedürfnisse abgestimmter, breit akzeptierter Treffpunkt entstanden.


Handlungsfeld: Aktivierung und Soziales – Maßnahme: Sprachkurs "Alltagsdeutsch für Frauen"
Fortlaufende Sprachkurse für türkische Frauen (Alltagsdeutsch mit Rollenspielen) haben ihre Artikulationsmöglichkeiten in der Gesellschaft erweitert und ihre Integration als wichtigste Ansprechpartnerinnen zu Themen wie Schule und Kindergarten wesentlich erleichtert.



Stadt Hof - Programmgebiet Bahnhofsviertel:

Jugendtreff Orleansstrasse
Jugendtreff Orleansstrasse
Das Bahnhofsviertel ist ein städtebaulich wichtiger Bereich der Hofer Innenstadt, der von starken sozialen, ökonomischen und baulichen Missständen geprägt ist. Neben der baulichen Aufwertung und der Ansiedlung ökonomisch sinnvoller Nutzungen ist die Verbesserung des Zusammenlebens ein wichtiges Ziel, wozu auch spezielle Angebote zur Integration und Sprachförderung zählen.

Handlungsfelder: Stadterneuerung / Aktivierung und Beteiligung – Maßnahmen: Gebäudemodernisierung Orleansstr.6 / KoJE - Kooperationsprojekt Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und Erziehungshilfe
In einem umfassend modernisierten Gebäude konnte ein Jugendtreff, das SUN-Cafe, eine Erziehungsberatung, eine Ehe-, Familien- und Lebensberatung, ein Bereich für Mutter/Vater und Kind (MVuK), sowie betreutes Wohnen untergebracht werden. Eigentümer des Anwesens ist die kath. Kirchengemeinde, Träger die Kath. Kirchenstiftung St. Marien. Grundidee des Projektes ist unterschiedlichen Trägern der Kinder- und Jugendhilfe die Möglichkeit zu eröffnen, Angebote für junge Menschen des Sozialraums Bahnhofsviertel gebündelt in den Räumen von KoJE einzurichten. Die Maßnahmen orientierten sich an den Bedürfnissen, Wünschen und dem Willen der Menschen des Bahnhofsquartiers. Mit der finanziellen Unterstützung des Programms Soziale Stadt konnte dieses Angebot unter einem Dach verwirklicht werden.

Alle Angebote fühlen sich wegen der gemischtgeschlechtlichen Klientel und der Fachlichkeit des Personals den Prinzipien des Gender Mainstreaming verpflichtet. Das umfasst die Anstellung des Personals unterschiedlichen Geschlechts sowie die Art der Angebote und Zugangsformen - vom Kicker über Cafe und PC bis zum Basteln oder Gesprächsrunden - möglichst niederschwellig und auch raumungebunden direkt an den Treffpunkten der Kinder, Jugendlichen oder Erwachsenen. Durch die Vernetzung der Partner sind bei besonderen Fragen oder Problemen sofort Fachleute vor Ort.


Stadt München - Programmgebiet Hasenbergl:

Im Sanierungsgebiet Hasenbergl gab es zwar viel Grün, aber nur wenige attraktive öffentliche Treffpunkte für Kinder und Jugendliche. Das Planungsreferat wollte ihnen daher im Rahmen der Stadtteilsanierung "Raum" geben und sie aktiv an der Gestaltung ihres Aktionsraumes beteiligen. Im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“ wurde daher ein Beteiligungskonzept für Jugendliche zur Umgestaltung des Goldschmiedplatzes in einen Aktionsraum initiert.

Handlungsfeld: Öffentlicher Raum – Maßnahme: Umgestaltung des Goldschmiedplatzes
Aufgabe war die ehemalige Trambahnschleife und -haltestelle auf dem Goldschmiedplatz umzugestalten. Gemeinsam mit Planungsreferat, Stadtsanierung und Grünplanung sowie dem Verein Urbanes Wohnen mit den Teams "Grüne Schul- und Spielhöfe“ und "Planung+Forschung" wurde das Beteiligungskonzept entwickelt und der Beteiligungsprozess initiert sowie koordiniert. Nach einem Planungsvorlauf entwickelten die Kinder in einer ganztägigen Ideenwerkstatt Wünsche und Vorstellungen für einen Aktionsraum am Goldschmiedplatz. In Modellen wurden diese visualisiert und öffentlich präsentiert und später in einen Freiflächengestaltungsplan übertragen. Im April 2000 legten die Jugendlichen bei der Umgestaltung im Rahmen von Bau- und Pflanzaktionen selbst Hand an. Die Mädchengruppe des Kreisjugendrings "Club" schuf eine eigene Betonskulptur. Besonderer Beliebtheit erfreut sich die im Rahmen der Umgestaltungsmaßnahme entstandene Skateanlage.
Der Beteiligungsprozess stieß auf eine sehr positive Resonanz im Stadtteil, der Goldschmiedplatz wird gut angenommen und ist über den Stadtteil hinaus bekannt.


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