Regierungserklärung „Bayern digital – Sicherheit im Internet“

München, 11. April 2013 (stmi). Innenminister Joachim Herrmann warnt in seiner Regierungserklärung vor  steigenden Gefahren aus dem Internet und kündigt eine umfassende Strategie für Cybersicherheit an.

Cyberbedrohungen nehmen zu

Angriffsziel Server und Netze
© Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung

Vor Cyberangriffen ist kein Land in der Welt sicher. Alleine auf das Bayerische Behördennetz gibt es täglich über 36.000 Angriffsversuche aus dem Internet. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat im Jahr 2011 pro Tag vier bis fünf gezielte und gravierende Trojaner-Angriffe auf das deutsche Regierungsnetz abwenden müssen.

Besonders gefährdet sind auch Einrichtungen der sogenannten kritischen Infrastruktur. Kraftwerke, Stromnetze, Telekommunikationsnetze oder auch Banken können mit Schadsoftware, Virenprogrammen und Trojanern gestört oder sogar lahmgelegt werden.

Die Sicherheitsbranche hat im Jahr 2011 weltweit 5,5 Milliarden den Cyberangriffe auf Wirtschaftsunternehmen registriert – 81 Prozent mehr als im Vorjahr. Deutschland ist dabei das häufigste Angriffsziel in Europa. Meistens geht es um Wirtschaftsspionage. Schätzungen gehen davon aus, dass nur einer von 1.000 Cyberangriffen angezeigt wird. Die gemeldeten Schäden durch Cyberkriminaltät haben sich nach der offiziellen Statistik des Bundeskriminalamtes von 2009 bis 2011 auf 71,2 Millionen Euro verdoppelt. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft schätzt den Schaden für die deutsche Wirtschaft auf bis zu 50 Milliarden Euro jährlich.

Cyberangriffe haben oft auch den Zweck, Schaden anzurichten, Systeme lahmzulegen und Unternehmen zu erpressen. Extremisten und Terroristen nutzen die komplexen Strukturen des Netzes, um neue Anhänger zu rekrutieren, um sie zu fanatisieren und zu radikalisieren. Auch Kinderpornografie wird über das Internet verbreitet.

Bayerische Cybersicherheitsstrategie

Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein. Auch im Cyberspace hat der Staat eine Schutzpflicht gegenüber den Menschen. Ziel des Bayerischen Innenministeriums ist es, ein hohes Sicherheitsniveau für Bayerns Bürger und Unternehmen zu schaffen, die kritischen Infrastrukturen und die Handlungsfähigkeit des Staates zu schützen.
Die Cybersicherheitsstrategie des Innenministeriums basiert auf fünf Kernpunkten:

  1. Schutz der Bürgerinnen und Bürger durch Beratung und Sensibilisierung
  2. Schutz der staatlichen Handlungsfähigkeit, Stärkung der Sicherheitsbehörden
  3. Schutz der Wirtschaft durch das „Cyber-Allianz-Zentrum Bayern“ (Start: 1. Juli 2013)
  4. Vernetzung der Akteure
  5. Koordination im Innenministerium

Um einen besseren Schutz vor Cyberbedrohungen zu erreichen, sollen alle Schutzpotenziale – ob im Bereich der Prävention, bei staatlichen und kommunalen Stellen oder in der Wirtschaft – mobilisiert, koordiniert und miteinander vernetzt werden. Innenminister Joachim Herrmann: „Mein Ziel ist ein starkes Netzwerk, eine Allianz für Cybersicherheit – zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger, unseres Staates und der Wirtschaft.“