Bundesverdienstkreuz für Anton Böswald und Herbert Possenriede

München, 31. Januar 2018 (stmi). Innenstaatssekretär Gerhard Eck hat in München das Bundesverdienstkreuz am Bande an Anton Böswald und Herbert Possenriede ausgehändigt.

Bundesverdienstkreuz am Bande

Mit seinen Ordensverleihungen möchte der Bundespräsident die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf hervorragende Leistungen lenken, denen er für unser Gemeinwesen besondere Bedeutung beimisst. Der Verdienstorden wird an in- und ausländische Bürgerinnen und Bürger für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen verliehen sowie darüber hinaus für alle besonderen Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland, wie zum Beispiel im sozialen und karitaiven Bereich.

Anton Böswald

Gerhard Eck und Anton Böswald
© Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr

Anton Böswald aus Grainau, Landkreis Garmisch-Partenkirchen, hat sich durch sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) sowie in weiteren Bereichen um das Wohl der Allgemeinheit verdient gemacht. Als 1965 auf dem Zugspitzplatt eine gewaltige Lawine ins Tal abging, waren er sofort zur Stelle und half bei den Sucharbeiten mit. Dieses Ereignis veranlasste ihn, dem BRK beizutreten und sich mit großer Leidenschaft zu engagieren. In der Folgezeit war er bei weiteren Einsätzen vor Ort, beispielsweise 1982 beim Lawinenunglück in Mittenwald und 1986 bei der Gasexplosion im Hotel Riessersee. 1989 leistete er Mithilfe beim Aufbau eines Flüchtlingslagers in Freilassing und half 1995 als Einsatzleiter beim Zugunglück "Gläserner Zug" in Garmisch-Partenkirchen. Außerdem war er – zusammen mit einer BRK-Delegation aus dem Kreisverband Garmisch-Partenkirchen – in Calpe in Spanien, um dort den Aufbau einer Sanitätsbereitschaft mit zu organisieren. Innenstaatssekretär Eck: "Er ist immer zur Stelle, wenn er gebraucht wird, und hat maßgeblichen Anteil an der Fortentwicklung des BRK in Garmisch.“

Böswald durchlief innerhalb kürzester Zeit viele BRK-Ausbildungen bis hin zum Pflegedienst-Helfer. 1973 ließ er sich zum Erste-Hilfe-Ausbilder schulen und gab im Anschluss daran selbst unzählige Kurse. 1976 - 1998 übernahm er das verantwortungsvolle Amt des Bereitschaftsleiters in Partenkirchen und erneut ab 2009, bis er 2017 aus dieser Position verabschiedet wurde. Trotz der vielfältigen Aufgaben war ihm seine Weiterbildung stets ein großes Anliegen, deshalb legte er 1986 die Prüfung als Rettungsdiensthelfer ab. Als Bereitschaftsleiter war er an langen Verhandlungen mit dem Markt Garmisch-Partenkirchen beteiligt, aufgrund derer dann ein neues und wesentlich größeres Sanitätsdepot bezogen werden konnte. "Dabei begeisterte und motivierte er alle BRK-Mitglieder für die Mithilfe bei den notwendigen Arbeiten", so Eck. Unter seiner Führung wurde der Sanitätsdienst für zahlreiche Großveranstaltungen, wie beispielsweise das Neujahrskispringen oder das Hornschlittenrennen, professionalisiert.

Während seiner Tätigkeiten erst als stellvertretender Kreisbereitschaftsleiter 1985 bis 1989, dann als Kreisbereitschaftsleiter 1989 bis 2005 war er unter anderem maßgeblich an der Einrichtung und Ausstattung des Katastrophenschutz-Zuges und für die Schnelleinsatzgruppen zuständig. Weiterhin wirkte er bei den Helfer-vor-Ort-Diensten mit und reaktivierte das Kreisauskunftsbüro. Als besondere Wertschätzung wurde er deshalb zum Ehrenbereitschaftsleiter ernannt. Äußerst engagiert bekleidete er von 2005 - 2017 das Amt des 2. stellvertretenden Vorsitzenden im BRK-Kreisverband Garmisch-Partenkirchen mit dem Schwerpunkt soziale Aufgaben. Er arbeitete federführend im Bauausschuss für den Neubau des Rotkreuzhauses in Garmisch-Partenkirchen mit, welches 2013 bezogen werden konnte. Durch seine große Einsatzbereitschaft konnte auch die Kleiderkammer wieder geöffnet werden. Hier kümmerte er sich um internationale Hilfslieferungen des Roten Kreuzes und leistete auch wertvolle Arbeit in der Erstaufnahmeeinrichtung im "Abrams-Komplex" und versorgte ankommende Flüchtlinge mit Kleidung. 2010 organisierte er die 100-Jahr-Feier der Bereitschaft Partenkirchen und organisierten mehrere Bildungsfahrten nach Solferino, der Geburtsstätte des Roten Kreuzes.

Seit 1999 gehört er zudem dem AOK-Beirat der Direktion Garmisch-Partenkirchen an und vertritt hier ehrenamtlich die Interessen der Versicherten und der Arbeitgeber. Außerdem ist er bereits seit 1963 Mitglied der Kolpingfamilie Partenkirchen. 2017 wurde er mit dem Ehrenzeichen des Landkreises für Verdienste im Ehrenamt in Gold ausgezeichnet.

Herbert Possenriede

Gerhard Eck und Herbert Possenriede
© Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr

Herbert Possenriede aus Schweitenkirchen, Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm, hat sich über Jahrzehnte durch sein ehrenamtliches Engagement für die Förderung des "Budo Sports" auszeichnungswürdige Verdienste erworben. Bei "Budo" handelt es sich um den Oberbegriff für alle japanischen Kampfkünste, sowohl national als auch international. Besonders anerkennenswert ist Possenriedes Beitrag zur Integration von Flüchtlingen und zur Völkerverständigung. Er gehört zu den bekanntesten Budo-Persönlichkeiten auf deutscher und internationaler Ebene. Gerhard Eck: "Er ist ein Vorbild für die Verkörperung und Weitergabe von Werten, beispielsweise Mut, Respekt und Hilfsbereitschaft." Die Energie und die Leidenschaft für seine Einsatzfreude zieht er aus einer Lehre des Zen: "Der Geist lenkt, der Körper vollführt, die Seele vereint beides", die er mit Leib und Seele verinnerlicht hat. Durch sein enormes sportliches Fachwissen als Großmeister des Budo-Sports fühlt er sich als ehrenamtlicher Trainer und Betreuer stets mehr als verpflichtet, die Vielzahl von Budo-Techniken an alle Generationen - beginnend von kleinen Kindern bis hin zu Senioren - zu vermitteln. Er ist stets darauf bedacht, ein freundschaftliches Klima zwischen den Sportlern zu schaffen, bei dem u. a. Kameradschaft, Rücksichtnahme und Fairness im Vordergrund stehen.

Zu erwähnen ist auch seine aktive Unterstützung bei der Organisation und Durchführung von nationalen und internationalen Schulungen und Seminaren, die durch die damit verbundenen Aktivitäten und Beiträge ebenfalls zur Völkerverständigung beitragen. In seinen Selbstverteidigungskursen, die er nun schon seit vielen Jahren ehrenamtlich und ohne Vergütung anbietet, setzt er den Schwerpunkt insbesondere auf die Vermittlung gewaltfreier und deeskalierender Techniken. Diese verstärken das eigene Selbstbewusstsein und somit die Abwendung von Gewalt in verschiedenen kritischen Situationen. Des Weiteren liegt ihm stets an der Gleichstellung schwächerer oder hilfsbedürftiger Menschen und der aktiven Einbindung von Personen mit Migrationshintergrund. Dieses uneigennützige und vorbildliche Engagement führte dazu, dass er 2013 in seinem Heimatverein ein Pilotprojekt ins Leben rief, bei dem junge Menschen, die beispielsweise das Schicksal einer Flucht erlitten haben, kostenfrei Sport in der Gemeinschaft ausüben können. Zur Kommunikationshilfe und zur Attraktivitätssteigerung des Projekts sind zahlreiche Sportler aus dem benachbarten Ausland, wie z. B. Polen, Spanien, und Rumänien in den Trainingseinheiten aktiv, die seit Jahren mit ihren Familien in Deutschland leben.

Mit seiner Begeisterung für den Sport etablierte er in seinem Heimatverein, dem "FC Schweitenkirchen" 1981 die Judo-Abteilung und übernahm bis 2001 die Leitung und den Pressebereich. Aufgrund seines hohen Engagements wurde er zum Ehrenvorstand ernannt. In dieser Zeit gelang es ihm, bei seinen Schülern nicht nur große Begeisterung zu entfachen, sondern auch Erfolge einzufahren und das nicht nur in Oberbayern, Bayern und Deutschland, sondern mittlerweile auch bei Grand-Slam und World-Cup-Wettkämpfen. Seine Anfänge als junger Sportler in der Leichtathletik hinterließ ebenfalls Spuren. Bereits 1982 gründete er beim "FC Schweitenkirchen" eine neue Abteilung "Leichtathletik-Sportabzeichen", deren Leiter er seither ist. Im Rahmen verschiedener Kurse und Aktivitäten lehrt er auch hier sportlich faires Verhalten als Charakterfundament. Seit 2011 ist er Budo-Beauftragter und Kampfrichterobmann des Deutschen Dan-Kollegiums Bayern.

Beim Bundes-DDK, dem Verband, der seit über 60 Jahren kompetenter Ansprechpartner für die verschiedenen Budo-Disziplinen ist, ist er seit 2013 Mitglied im Rechtsausschuss und seit 2014 Bundesbeauftragter für Kyudo. 2015 begleitete er einen Wochenlehrgang in Moskau. Dort hat er Sportler aus 20 Nationen im Vorfeld der Weltmeisterschaften durch Judotechniken auf die WM vorbereitet. Für 2018 hat er schon viele Einladungen zu internationalen Lehrgängen erhalten, bei denen er als Referent und Trainer antreten wird.