Einbürgerung und Zuwanderung 2012

München, 10. Mai 2013 (stmi). Innenminister Joachim Herrmann hat heute in München die Einbürgerungs- und Zuwanderungszahlen 2012 für Bayern vorgestellt.

Einbürgerung und Zuwanderung
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Sie zeigen, dass das Interesse an der deutschen Staatsangehörigkeit groß ist. Die Gesamtzahl der Einbürgerungen in Bayern betrug im vergangenen Jahr 13.204. Das ist ein Anstieg um 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2011. Absolute Nummer Eins bei den Einbürgerungen ist die Türkei mit 2.979 Einbürgerungen; dies entspricht 22,6 Prozent aller Eingebürgerten. Im Jahr 2011 lag die Zahl noch bei 2.136 Einbürgerungen.

Optionspflicht für in Deutschland geborene Kinder

Eine klare Absage erteilte Staatsminister Joachim Herrmann Forderungen nach einer generellen doppelten Staatsangehörigkeit durch Abschaffung der Optionspflicht für in Deutschland geborene Kinder von Einwanderern. Aktuell entscheiden sich mehr als 98 Prozent der Optierenden für die deutsche Staatsangehörigkeit. Zum 31.Dezember 2012 haben 637 Personen aus dem Geburtsjahrgang 1990 eine Optionserklärung abgegeben. 626 haben sich für die deutsche Staatsangehörigkeit entschieden, das entspricht 98,3 Prozent. Elf Menschen wollten ihre ausländische Staatsangehörigkeit behalten.

Die Zahlen für die übrigen Geburtsjahrgänge sind ähnlich:

  • Bei den Geburtsjahrgängen 1991 gab es 717 Optionserklärungen, davon entschieden sich 708 für die deutsche Staatsangehörigkeit, das sind 98,7 Prozent.
  • Bei den Geburtsjahrgängen 1992 gab es 597 Optionserklärungen, davon nahmen 594 die deutsche Staatsangehörigkeit an. Dies entspricht einem Anteil von  99,5 Prozent.

Staatsminister Joachim Herrmann machte daher deutlich: „Wir brauchen keine generelle Mehrstaatigkeit in Deutschland. Sie steht einer vollständigen Integration entgegen und fördert das Entstehen von Parallelgesellschaften. Es ist bereits ein großes Willkommenssignal, dass Kinder ausländischer Eltern die vollwertige deutsche Staatsangehörigkeit mit ihrer Geburt im Inland erhalten. Im Gegenzug erwarten wir dann mit Eintritt in die Volljährigkeit eine eindeutige Entscheidung."

Hauptherkunftsstaaten

Im Jahr 2012 stammten die meisten Eingebürgerten aus der Türkei. Es folgten:

  • die Nachfolgestaaten Jugoslawiens mit 1.073 Einbürgerungen (2011: 963)
  • der Irak mit 672 Einbürgerungen (2011: 913)
  • die Ukraine mit 666 Einbürgerungen (2011: 851) und
  • die Russische Föderation mit 590 Einbürgerungen (2011: 488).

Aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union stammten insgesamt 3.268 Eingebürgerte (2011: 752), das sind 24,7 Prozent. Hier waren die größten Herkunftsnationen Rumänien mit 706 Einbürgerungen (2011: 752) und Polen (2011: 591). Bemerkenswert ist die Zahl der Eingebürgerten aus Griechenland: Sie hat mit 574 Einbürgerungen einen neuen Höchststand erreicht. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 waren es hier nur 208 Einbürgerungen, im Jahr 2011 schon 372.

Zuwanderungszahlen

Der Innenminister stellte auch die Zuwanderungszahlen von Ausländern nach Bayern vor. So lebten am Jahresende 2012 in Bayern rund 1,2 Millionen Ausländer. Das sind 66.000 mehr als im Jahr 2011. Die Ausländerquote liegt damit bei etwa 9,5 Prozent (Vorjahr: 9,0 Prozent).

Ungebrochen ist nach wie vor der Zustrom nach Bayern aus ost- und südeuropäischen EU-Mitgliedstaaten. Die vorläufigen Zahlen für 2012 zeigen hier wieder einen klaren Anstieg. Daran lassen sich die Folgen der Finanz- und Schuldenkrise ebenso ablesen wie die Attraktivität Bayerns. Es gibt gerade in Ländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit ein starkes Interesse an einer Tätigkeit in Bayern.

Die Zahlen zu den Zuzügen aus osteuropäischen Ländern im Einzelnen:

  • Rumänien 27.735 Zuzüge (2011: 21.287),
  • Polen 26.111 Zuzüge (2011: 22.964),
  • Ungarn 20.353 Zuzüge (2011:15.201) und
  • Bulgarien 10.094 Zuzüge (2011: 7.962).

Auch aus den südeuropäischen EU-Mitgliedstaaten, die von der Finanz- und Schuldenkrise schwer betroffen sind, hat sich der Zuzug weiter verstärkt: So kamen im Jahr 2012 aus Griechenland 8.753 Personen (2011: 6.790), aus Italien 9.369 (2011: 6.384) und aus Spanien 5.101 (2011: 3.302). Der Arbeitskräftebedarf bayerischer Firmen wird damit vor allem mit Arbeitnehmern aus anderen EU-Staaten gedeckt.

Blaue Karte EU

Laut Herrmann wird aber auch die am 1. August 2012 in Deutschland eingeführte "Blaue Karte EU" gut angenommen. Sie erleichtert die Zuwanderungsmöglichkeiten für Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten. Eine Zuwanderung ist danach im Jahr 2013 mit einer Gehaltsgrenze von derzeit 46.400 Euro und bei Mangelberufen wie Ärzten, Naturwissenschaftlern und Ingenieuren von 36.192 Euro möglich. Die Ausländerbehörden verzeichnen eine erhebliche Nachfrage nach dem neuen Aufenthaltstitel. Ende 2012 – also nur fünf Monate nach ihrem Start – hielten sich in Bayern bereits knapp 600 Inhaber der „Blauen Karte EU“ auf. Sie kamen vor allem aus Indien (164), China (56) und Russland (48).

Staatsminister Joachim Herrmann sprach sich in diesem Zusammenhang für die Etablierung einer „Willkommenskultur“ aus. Bayern beteiligt sich an der Etablierung einer „Willkommenskultur“, beispielsweise mit dem Projekt „Willkommensbehörde“ des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Bei ausgewählten Ausländerbehörden sollen damit die Voraussetzungen dafür verbessert werden, Zuwanderern noch mehr als bisher zu vermitteln, dass sie willkommen sind und ihre Potenziale anerkannt werden.

Übergabe von Einbürgerungsurkunden

Abschließend übergab Innenminister Joachim Herrmann die Einbürgerungsurkunde an einen israelischen Staatsangehörigen, der unter anderem sein Studium in München absolviert hat, heute in einem großen Unternehmen in Bayern tätig ist und sich darüber hinaus auch als Vorstandsmitglied in der Israelitischen Kultusgemeinde von München und Oberbayern engagiert.

Ebenso erhielt ein italienischer Staatsangehöriger die Einbürgerungsurkunde aus den Händen Herrmanns. Er lebt bereits seit 45 Jahren in Deutschland und hat hier auch seine gesamte Schul- und Berufsausbildung durchlaufen. Beide sind besonders gelungene Beispiele für eine erfolgreiche Integration in Deutschland.

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