Pinsel und Puder zur Sicherung von Fingerabdruckspuren.
© www.polizei-beratung.de

Kriminalitätsbekämpfung

Die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ist ein wichtiger Indikator für die Innere Sicherheit in einem Bundesland und wird in Bayern jährlich vom Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration für das vergangene Kalenderjahr veröffentlicht. Gleichzeitig dient sie als Kompass für das weitere polizeiliche Handeln.

Die PKS 2021 zeigt, dass sich die ohnehin ausgezeichnete Sicherheitslage in Bayern erneut verbessert hat. Bayern hatte 2021 die niedrigste Kriminalitätsbelastung seit 44 Jahren und gleichzeitig die höchste Aufklärungsquote seit 27 Jahren. Bayern belegt damit bundesweit wieder eine Spitzenposition.

Das Jahr 2021 wurde maßgeblich von der weltweiten Verbreitung des Coronavirus geprägt. Die Pandemie betrifft dabei alle Aspekte unseres Lebens und hatte auch Auswirkungen auf die Kriminalität. So wurden der Polizei beispielsweise weniger Ladendiebstähle und Einbrüche gemeldet, bei Tathandlungen im Internet sowie im Bereich der Verbreitung kinderpornografischer Schriften waren dagegen steigende Fallzahlen zu verzeichnen.

Bei den Straftaten ohne ausländerrechtliche Delikte gab es im letzten Jahr einen Rückgang um 54.800 Straftaten bzw. um - 9,7 % von 563.187 auf 508.387 Fälle. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Bevölkerung in Bayern stetig zunimmt. Zum 31. Dezember 2020 hatte Bayern 13.140.183 Einwohner und damit etwas über 15.000 mehr als ein Jahr davor (31.12.2019: 13.124.737 Einwohner).

Daraus ergibt sich für das Jahr 2021 bei der bereinigten Häufigkeitszahl ein Rückgang von - 9,8 % auf 3.869 Straftaten pro 100.000 Einwohner. Das ist die niedrigste Kriminalitätsbelastung seit 1979 und somit seit 44 Jahren.

Erneut verbessert hat sich auch die bereinigte Aufklärungsquote: Sie stieg gegenüber dem Vorjahr um 0,5 Prozentpunkte auf 66,9 %. Damit wurden zwei von drei Straftaten durch die Bayerische Polizei aufgeklärt.

Im Bereich der Diebstahlsdelikte war ein Rückgang der Fallzahlen um - 22.321 oder - 16,9 % zu verzeichnen (2020: 132.216, 2021: 109.895). Hier waren insbesondere die Ladendiebstähle rückläufig (- 3.430 Delikte, - 11,9 %), wobei sich in diesem Deliktsbereich die coronabedingten Ladenschließungen bemerkbar gemacht haben dürften.

Besonders erfreulich war ein erneuter Rückgang der Wohnungseinbruchdiebstähle auf 2.322 Delikte (- 44,5 %). Hier waren die niedrigsten Fallzahlen seit elf Jahren zu verzeichnen. Fast die Hälfte aller Einbrüche blieb dabei im Versuch stecken. Neben den aufwändigen und erfolgreichen polizeilichen Maßnahmen zur Bekämpfung des Wohnungseinbruchdiebstahls hatte sicherlich auch die Corona-Pandemie wesentliche Auswirkungen auf dieses Deliktsfeld. Potentielle Täter könnten dadurch abgeschreckt worden sein, dass sich viele Personen insbesondere aufgrund von Homeoffice vorwiegend zu Hause befanden. Darüber hinaus dürften die verstärkten Grenzkontrollen ein Hindernis für organisierte, reisende Tätergruppierungen dargestellt haben.

Im Bereich der Gewaltkriminalität, also den schwerwiegenden Rohheitsdelikten wie z. B. Mord, Totschlag, Raub, gefährliche und schwere Körperverletzungen, war 2021 ein Rückgang um - 13,5 % auf 16.882 Fälle (2020: 19.507) zu verzeichnen. Ein Rückgang in diesem Deliktsbereich zeigt, dass sich die polizeiliche Bekämpfung von Straftaten und Ordnungsstörungen im öffentlichen Raum sowie die Steigerung der sichtbaren Polizeipräsenz positiv auswirken.

Die mit dem Internet als Tatmittel begangenen Straftaten stiegen 2021 um + 10,7 % auf 39.469 Delikte, nachdem im Vorjahr bereits ein erheblicher Anstieg der Fallzahlen (2020: + 20,0 %) zu verzeichnen war. Der Gesamtschaden lag 2021 bei 28,1 Millionen Euro und damit 0,7 Millionen Euro unter dem Schaden des Vorjahres. Das Internet wurde in Zeiten von Corona nicht nur verstärkt für Home-Office und Home-Schooling genutzt, auch das Online-Shopping hat einen regelrechten Hype erfahren. Diese Entwicklungen machten sich leider auch Kriminelle zu Nutze. Im Jahr 2020 erlebten wir einen noch nie dagewesenen Höchststand an Straftaten im Bereich des Waren- und Warenkreditbetruges. Erfreulicherweise gelang es diesen Trend zu stoppen und die Online-Betrugsdelikte nahmen im vergangen Jahr wieder ab.

Bei den Sexualdelikten war vor allem eine starke Zunahme bei der Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornographischer Schriften um + 83,6 % auf 5.070 Delikte festzustellen. Das Internet nahm hierbei wie auch im vergangenen Jahr als Tatmedium eine Schlüsselrolle ein. Ursächlich für diese Entwicklung ist insbesondere die stetig steigende Nutzung von Smartphones sowie Social-Media- und Messengerdiensten, welche eine massenhafte Verbreitung inkriminierter Inhalte an eine Vielzahl von Personen, gerade auch an Kinder und Jugendliche, in kürzester Zeit ermöglicht.

Auch dieses Jahr haben wieder vielfach Straftäter versucht, die neuen Tatgelegenheiten der Corona-Pandemie auszunutzen und sich unberechtigt an den staatlichen Corona-Hilfsprogrammen zu bereichern. Nach dem Anstieg der Fallzahlen im Jahr 2020 um über 2.100 % blieben die als Subventionsbetrug erfassten Straftaten dieses Jahr mit insgesamt 704 Fällen auf beinahe gleichem Niveau (- 15 Delikte, - 2,1 %). Die Aufklärungsquote ist bei diesen Straftaten mit 93,5 % außergewöhnlich hoch. Bereits von Beginn an hat das Bayerische Landeskriminalamt die Prüf- und Auszahlungsprozesse der Corona-Soforthilfen einer umfassenden Schwachstellenanalyse unterzogen. In enger Abstimmung mit dem Wirtschaftsministerium und den Regierungen wurden die Prozesse der Antragsgewährung so strukturiert, dass über Verdachtsmeldungen fast alle Betrugshandlungen erkannt, die Auszahlung verhindert werden konnten.

Ein weiteres bedeutendes Deliktsfeld ist erst im Jahr 2021 durch den Start der Schutzimpfungen gegen das Corona-Virus neu hinzugekommen: Seit Jahresbeginn, jedoch mit einem sprunghaften Anstieg ab September, wurden zunehmend Fälschungsdelikte im Zusammenhang mit der Impfthematik registriert. Es wurden sowohl Impfnachweise, Impfstoff-Etiketten und digitale Impfnachweise als auch Corona-Testnachweise ge- bzw. verfälscht. Im Jahr 2021 wurden in Bayern über 3.300 Fälle gefälschter Impfausweise bekannt.

In der Gesamtbetrachtung des Jahres 2021 hat sich die Sicherheitslage in Bayern erneut wesentlich verbessert. Dabei leistete die Bayerische Polizei mit stetig hohem Engagement neben dem täglichen Einsatzgeschehen durch die Überwachung der Infektionsschutzmaßnahmen einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung des Virus sowie zur Unterbrechung von Infektionsketten. Zudem war es auch dieses Jahr wieder Aufgabe der Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten eine Vielzahl an Versammlungen von Gegnern der Corona-Maßnahmen zu betreuen.

Auch während Corona-Pandemie duldet die Bayerische Polizei keine rechtsfreien Räume, geht gegen Kriminalität jeglicher Art konsequent vor, setzt auf gezielte Kriminalprävention und reagiert unverzüglich auf neue Entwicklungen. Gemeinsam mit der Bevölkerung arbeitet sie an dem Ziel, die objektive Sicherheitslage und das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung in bewährter Weise aufrecht zu erhalten.

Neben verschiedenen offenen polizeilichen Maßnahmen, die sofort als solche zu erkennen sind, stehen der Bayer. Polizei auch Eingriffsbefugnisse zur Verfügung, die eine verdeckte Datenerhebung ermöglichen. Um eine größtmögliche Transparenz des polizeilichen Handelns zu gewährleisten, kann hier eine Übersicht über die Anzahl der jährlich verdeckt durchgeführten Maßnahmen sowie Datenübermittlungen durch die Bayerische Polizei an Drittstaaten abgerufen werden.